Neuer Weltrekordversuch auf dem Rhein

Posted on 31. März 2011 by rheinfilm 3 Comments

Letztes Jahr brach der Schweizer Corrado Filipponi nach 21 Jahren den Weltrekord für die schnellste Kanufahrt auf dem Rhein: Er schaffte die Strecke von Chur nach Rotterdam in 7 Tagen, 10 Stunden und 16 Minuten (siehe Rheingeschichten).

Jetzt wollen die beiden Amerikaner Michael Schnitzka (47) und Dan Hoffmann (23) diesen Rekord brechen. Jedoch nicht im Kajak sondern zu zweit in einem Kanu!

Den Rhein erobern in weniger als 178 Stunden!

1200 Kilometer von Chur nach Rotterdam.

Start: Samstag  16. April , 7.00 Uhr in Chur, Schweiz

Ziel: Samstag  23. April, 5.00 Uhr, Rotterdam, Niederlande

Nur für Minipausen wollen sie an Land gehen,

schlafen werden sie abwechselnd im Kanu!

Hier können Sie den aktuellen Stand per GPS LIVE verfolgen…

Mike Schnitzka hatte es tatsächlich schon einmal 2007 versucht, scheiterte allerdings bereits in der Schweiz noch vor dem Bodensee. Der Fluß führte viel zu wenig Wasser, ständig mußte das Kanu getragen werden, dann gab es trügerische Stellen und mehrfach kenterten die Kanuten, so dass sie schließlich aufgaben.

Das soll ihnen nicht noch einmal passieren! Dennoch – auch der Rhein hat seine Tücken!

Die Herausforderungen

Die Bewältigung des Rheins auf diese Weise birgt mehr Herausforderungen und Gefahren, als man auf den ersten Blick annimmt.

Die erste Bewährungsprobe liefert schon gleich nach dem Start der Alpenrhein zwischen Chur und Bodensee. Einerseits könnte der Wasserpegel unangenehm niedrig sein oder in den Bergen kommt es zu Gewittern, die den Fluss in kürzester Zeit zu einem reißenden Strom anschwellen lassen, der Baumstämme und Äste mitreißt.

Am Ende des ersten Tages liegt für die Nachtfahrt der Bodensee vor ihnen, den sie der Länge nach – rund 60 Kilometer –  überqueren müssen. Der See fordert die Ausdauer, kann aber auch durch Wind und Wellengang sehr gefährlich werden. Eine entsprechende Windstärke könnte schon das Aus bedeuten.

Dann folgt der idyllische Hochrhein. Dort müssen die beiden häfiger aussteigen und das Boot um Hindernisse tragen. Nicht nur um den Rheinfall, sondern auch um viele Wehre und Wasserkraftwerke.

(Haben Sie gesehen die tollkühnen Kajakfahrer auf der Rhein-DVD gesehen?!)

Nach Basel wird es etwas lebhafter auf dem Rhein, er wird zu einer wichtigen Gütertransportstrecke. Ab hier sind jede Menge Frachtschiffe unterwegs. Dagegen ist das Kanu eine Nussschale. Mike und Dan müssen aufpassen, dass sie immer genügend Abstand wahren, um nicht in den gefährlichen Strömungssog an den Schiffen zu geraten.  Besonders bei Nacht, wenn es auf dem Rhein stockdunkel ist.

Eine dreiköpfige Crew begleitet und unterstützt die beiden Paddler von Land aus, sorgt für die Snacks und warme Getränke zwischendurch. Im April kann es auf dem Wasser noch sehr frisch sein. Vor allem bei Nacht dürfte die Kälte schnell in die Knochen gehen. Kentern sollte bei den Wassertemperaturen ohnehin tunlichst vermieden werden.

Nach der großen Schleuse in Iffezheim können die Kanuten dann theoretisch nonstop durchfahren. Zumindest gibt es nun keine Schleusen und Wehre mehr.

Nachdem sie eine der weltgrößten chemischen Anlagen – die BASF in Ludwigshafen hinter sich gelassen haben, passieren sie die alten Dom- und Kaiserstädte Speyer, Worms und Mainz, bevor sie in das majestätische Mittelrheintal einfahren. Jetzt wird es enger, die Strömung stärker und es bleibt zu hoffen, dass ihnen das Schicksal des Tankschiffes unterhalb der Loreley erspart bleibt.

Wenn sie nach dem Siebengebirge den Dom von Köln erblicken, sind die beiden schon sechs Tage im Kanu unterwegs.

Nun bleibt die Landschaft sehr flach, vom Kanu aus eher eintönig und der Endspurt durch Holland beginnt. Hier müssen sie trotz Müdigkeit und Erschöpfung noch achtsamer sein, denn der Schiffsverkehr nimmt stark zu, bis sie schließlich Rotterdam, die Nordsee und den weltgrößten Containerhafen erreicht haben.

Der Amerikaner Mike Schnitzka und sein Partner haben die 3800 Kilometer des Mississippi in 23 Tagen und 10 Stunden geschafft: mit dem Kanu. Diese Leistung brachte ihnen den Eintrag im Guinnes Buch der Rekorde.

Insgesamt hat Mike in seinem Leben wohl rund 24.000 Kilometer im Kanu zurückgelegt.

Wir werden Sie über den Verlauf des Rekordversuchs auf dem Laufenden halten.

Hier auch die Original-Webpage:   www.conquertherhine.com

 

3 comments

  • G.M. sagt:

    Da haben sich die US-Boys aber eine gute Zeit ausgesucht: der Rhein hat wieder einmal Niedrigwasser. Und das Boot ist für die Schweizer Etappe genau so ungeeignet wie damals.

  • rheinfilm sagt:

    Könnte es noch etwas Schneeschmelze geben oder ist das noch zu früh? Sonst müssten sie ihr Boot wohl des öfteren tragen…

  • Corazon sagt:

    das mit der Zeit ist richtig. Aber: sie hatten extrem glück, konnten mir ihrem Boot die Schwellen gut umgehen und sind nur einmal durch eine Unachsamkeit gekentert. Der Bodensee war so spiegelglatt wie er es höchstens 10x im Jahr ist. Die Temperaturen waren ideal und die Wetteraussichten für die Woche geradezu ideal, so auch der Mond. Und trotzdem. Es braucht noch weitere Zutaten, dass ein Rekord gelingen kann…

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